Tierarzt Schlenker Braunschweig

Hund

Katze
Kleintier

Brustkrebs und Kastration
bei Hündinnen

Über Sinn oder Unsinn der Kastration bei Hündinnen gibt es die unter-schiedlichsten Meinungen unter den Tierfreunden.
Das hängt u.a. von dem Wissenstand und oftmals auch von dem Beschäftigungsgebiet der Tier-behandler im weitesten Sinne (Tierärzte, Hundetrainer, Biologen, Tierheilpraktiker) ab. Auch eigene Erfahrungen der Tierhalter, die ihr Leben lang Hündinnen hatten, spielen oftmals eine Rolle.

Generell gilt: Auch bei der Frage der Kastration sollten Sie, bei allem Informationsfluss, die Vor- und Nachteile gut gegeneinander abwägen.

Eine Hilfe möchte ich Ihnen mit folgendem Bericht geben. Diese Info soll Sie, lieber Tierhalter, über das Thema Mammatumore (Brustkrebs) bei Hündinnen und den Zusammenhang zwischen Kastration / Rasse / Übergewicht und die medikamentelle Läufigkeitsunterdrückung informieren.

Mammatumore gehören bei den Hündinnen zu den häufigsten Tumorerkrankungen.

Der Anteil von bösartigen Tumoren liegt bei 50-80%.

Die erkrankten Hündinnen sind durchschnittlich zwischen neuen und elf Jahre alt, unkastriert oder frühestens nach der zweiten Läufigkeit kastriert.

 

 

zum Seitenanfang

Welche Faktoren begünstigen also die Entstehung von Mammatumoren?

1) Kastration und Kastrationszeitpunkt

Die Gefahr, dass nicht kastrierte Hündinnen Mammatumore bekommen, liegt bei 25%.
Bei kastrierten Hündinnen hängt die Entstehung von Mammatumoren vom Zeitpunkt der Kastration ab: Bei einer Kastration vor der 1. Läufigkeit besteht die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei 0,5%, vor der 2. Läufigkeit bei 8% und nach der 2. Läufigkeit bei 25%.

Ursache dafür ist, dass das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine krebsauslösende Wirkung auf das Brustgewebe hat. Nach der 2. Läufigkeit ist die Umwandlung von Brustgewebe in Tumorgewebe durch das Östrogen abgeschlossen!
Deshalb hat eine Kastration nach der zweiten Läufigkeit keinen Einfluss mehr auf die Entstehung von Mammatumoren.

2) Rassen:

Vor allem kleine Rassen aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung
Malteser, Yorkshire Terrier, Dackel, Pudel, Cocker Spaniel

3) Übergewicht

Übergewichtige (adipöse) Hündinnen haben ein um 40% höheres Erkrankungsrisiko(!) als Hündinnen mit Normalgewicht. Wichtig: es reicht schon wenn die Hündinnen in den früheren Jahren mal adipös waren!

4) Läufigkeitsunterdrückung

Die „Spritze“ zur Läufigkeitsunterdrückung erhöht ebenfalls das Risiko an Mammatumoren zu erkranken. Außerdem das Risiko, eine Gebärmuttervereiterung ( Pyometra) hervorzurufen.

Prognose – Die Lebenswartung bei festgestelltem Mammtumor

Die Lebenserwartung kann nur ungefähr eruiert werden und hängt von verschiedenen Faktoren ab

  1. Alter: Tiere unter sechs Jahren haben eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, an einem gutartigen (benignen ) Mammatumor zu erkranken, ältere Tiere erkranken meist an einem malignen Mammtumor
  2. Tumorgröße: Hündinnen mit einem Tumor größer als 3 cm haben eine kürzere Überlebenszeit als Hündinnen mit Tumoren kleiner 3 cm.
  3. Metastasierung ( „Streuung“): Ist der Mammatumor in die Lymphknoten gestreut, verringert sich die Überlebenszeit. Sind Metastasen in der Lunge per Röntgendiagnostik zu finden, überleben lediglich 14% der Patienten ein Jahr.
  4. Histologie: Das Gewebe sollte immer von einem Spezialisten histologischen Untersucht werden. Eine gute Prognose haben z.B. beninge Mammatumore und nichtinfiltrative Karzinome. Infiltrative Karzinome wachsen invasiv in die Lymph- und Blutgefäße und in das umliegende Gewebe. Hier muss die Prognose sehr vorsichtig gestellt werden.

zum Seitenanfang

Therapie
Schnellstmögliche, meist vollständige operative Entfernung der Gesäugeleisten.


 

Dieser Eingriff ist für die Hündin ein großer operativer Eingriff.

Wichtig ist es zu wissen, dass auch bei einem zum Zeitpunkt der Operation radiologisch unauffälligen Lungenbefund nach einigen Monaten Lungenmetastasen nachweisbar sein können.

Quelle: Stepahn Schweizer und Vera Grevel aus Kleintiermedizin ENKE VERLAG 4/2006

zum Seitenanfang